Zunahme hitzemitbedingter Krankheiten

Für nahezu alle Regionen Europas wird als Folge der Klimaänderungen mit einer Zunahme hitzebedingter Gesundheitsrisiken gerechnet. In einer kleinräumigeren Betrachtung zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede in der Verteilung der Hitzeexposition. So sind in Deutschland nicht alle Regionen bzw. alle Kommunen gleichermaßen für die zu erwartenden Hitzeextreme anfällig. Zum einen variieren Klima- und Wetterverhältnisse regional. Zum anderen ist das Ausmaß der Hitzeexposition einer Wohnbevölkerung z.B. von Flächennutzung und Versiegelungsgrad, den thermischen Eigenschaften der Gebäudesubstanz und der Bevölkerungsdichte abhängig. Ballungszentren und städtische Wärmeinseln sind generell anfälliger als dünn besiedelte ländliche Regionen, obgleich eine starke Wärmebelastung auch in stärker verdichteten Ortschaften und Gemeinden zu beobachten ist.

 

Hitzeassoziierte Gesundheitsrisiken
Es wird nicht nur wärmer, in Verbindung mit der Klimaerwärmung werden auch Extremwetterereignisse wie extreme Hitze, Hitzewellen und längere Hitzeperioden sehr wahrscheinlich weiter zunehmen.

Hitzewellen mit Temperaturen über 30° C und einer nächtlichen Abkühlung nicht unter 20° C erhöhen das Risiko zu erkranken oder gar vorzeitig zu versterben. Ein hitzebedingt erhöhtes gesundheitliches Risiko tragen insbesondere (WHO 2008):

  • Menschen im höheren Lebensalter
  • Säuglinge und Kleinkinder (unter 4 Jahren)
  • chronisch kranke Menschen
  • Menschen mit fiebhaften Erkrankungen
  • Personen mit Erinnerungs- und Orientierungsstörungen
  • Menschen, die von Armut bedroht bzw. betroffen sind
  • Personen mit körperlich besonders belastenden Berufen.

 

Anfälligkeit der Region Kassel gegenüber thermischer Belastung
Die zu erwartende thermische Belastung einer Kommune ist von topografischen Einflussfaktoren abhängig. Charakteristisch und von hoher bioklimatischer Bedeutung ist die Beckenlage Kassels. Die für Beckenlagen typische Windschwäche, verbunden mit den dort herrschenden höheren Lufttemperaturen, lassen für Kassel im Zuge der allgemeinen globalen und regionalen Erwärmungstrends eine hohe Anfälligkeit gegenüber Hitzestress erwarten.

Das Ausmaß der Wärmebelastung unterliegt innerstädtisch wiederum einer kleinräumlichen Verteilung. In Kassel lassen sich in Abhängigkeit z.B. von Siedlungsdichte, Versiegelungsgrad, klimatischen Ausgleichsflächen und Luftabflussbahnen Überwärmungsgebiete unterschiedlicher Stärke identifizieren. Aktuelle stadtklimatische Projektionen zeigen sowohl eine räumliche Ausdehnung der derzeitigen Überwärmungsgebiete in Kassel bis 2020 als auch eine generelle Verschärfung der Überwärmungsproblematik.

Diese unter dem Einfluss des Klimawandels zu erwartende Entwicklung des Kasseler Stadtklimas ist gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels von hoher Relevanz. Angaben der Bevölkerungsvorausschätzung für die hessischen Landkreise und kreisfreien Städte zufolge waren im Jahr 2006 20,4 % der Bevölkerung der Stadt Kassel über 65 Jahre alt, dies entsprach einem Altenquotient von 33,1. Für 2030 wird ein Anstieg des Altenanteils in Kassel um 6,1 % auf 26,5 % erwartet (~Altenquotient 46,8), bei gleichzeitigem Rückgang der Bevölkerungszahl um rund 4,6 %. Eine absolute wie anteilige Zunahme von Pflegebedürftigkeit ist in Kassel zu beobachten, mit einer Fortsetzung dieses Trends ist zu rechnen.

Parallel zur kleinräumigen Differenzierung des Stadtklimas ist auch die oben skizzierte Altersstruktur im städtischen Raum unterschiedlich verteilt. Ein besonderes gesundheitliches Risiko im Kontext einer Hitzewelle besteht vor allem dort, wo viele ältere und hochaltrige Menschen in mikroklimatisch ungünstigen Quartieren leben.

 

Veröffentlicht am:   30. 12. 2015  

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