KiSS-Siegel Vergabe 2012


Gesundheitsamt Region Kassel fördert die KiSS-Siegel Vergabe an die Kindertagesstätten

„Zeige mir die grüne Kiste unter dem Brett.“ lautet eine Aufgabe aus dem Hessischen Kindersprachscreening (KiSS). Auf einem Wimmelbild sucht das Kind die grüne Kiste unter dem Brett und zeigt sie der Erzieherin auf dem Bild. Den Kindern macht es viel Spaß, auch die anderen Aufgaben anhand des bunten Wimmelbildes mit vielen kleinen Alltagsszenen zu lösen. Mit KiSS kann der Sprachstand der Kinder im Alter von 4 bis 4,5 Jahren überprüft und beobachtet werden. Schnell und zuverlässig können die sprachlichen Kompetenzen eines Kindes erfasst werden. Zu hören, zu sprechen, schließlich zu lesen und zu schreiben sind wichtige Fähigkeiten, die Kinder für eine erfolgreiche schulische Entwicklung brauchen. Störungen in der kindlichen Sprachentwicklung sollen möglichst frühzeitig erkannt und durch gezielte Hilfe rechtzeitig vor der Einschulung abgebaut werden.

    KiSS-Siegel Vergabe  ; © Stadt Kassel

Viele Kasseler Kindertagesstätten und aus dem Landkreis bieten schon KiSS an. Erzieher/innen qualifizieren sich in einer Fortbildung des Gesundheitsamtes Region Kassel und sind dann berechtigt, das Screening in der Kindertagesstätte durchzuführen. Das Ergebnis wird durch einen Sprachexperten am Gesundheitsamt kontrolliert und mit den Eltern in der Kindertagesstätte besprochen. Die statistische Auswertung aller Screenings erfolgt im Hessischen Kindervorsorgezentrum in Frankfurt.

Entspricht die Sprachentwicklung des Kindes nicht dem Alter, zeigt das Ergebnis im KiSS, ob eine sprachpädagogische Förderung durch Anregungen in der Kindertagesstätte und besonders durch die Eltern ausreichend ist. Oder es handelt sich um eine Störung der Sprache, wo eine medizinische Abklärung empfohlen wird und eine Sprachtherapie notwendig sein kann. Hier erfolgt die weitere Diagnostik und Betreuung durch die niedergelassenen Kinderärzte.

Kindersprachscreening-Siegel Vergabe; © Stadt Kassel

Seit 2008 schulten die Sprachexperten des Gesundheitsamtes schon 153 Erzieher/innen für KiSS, allein dieses Jahr hatten sich 80 Erzieher/innen zu den Qualifizierungen angemeldet. Damit können in ca. 70 Kindertagesstätten der Region Kassel die Erzieherinnen mit KiSS den Sprachstand der Kinder testen. Diese besondere Qualifikation können die Einrichtungen zukünftig mit dem KiSS Siegel gut sichtbar zeigen.

Am 4. Juni hat Stadträtin Anne Janz im „Kinderhaus Waldau“ die Siegel feierlich übergeben. Unterstützt wurde sie von Elke Malburg als Vertreterin aus dem hessischen Sozialministerium  und von Johannes Mertens, Projektmanager - Kindersprachscreening in Hessen aus dem Hessischen Kindervorsorgezentrum in Frankfurt. Einen passenden Rahmen gaben die Kinder des „Kinderhaus Waldau“ mit der Aufführung: „Von der kleinen Schnecke, die wissen wollte, wer ihr Haus geklaut hat“. Als persönliches Dankeschön hat jede Erzieher/in von Dr. Gabriele Oefner, Gesundheitsamt Region Kassel,  als Anerkennung für die kooperative Arbeit eine Blume überreicht bekommen.

KiSS-Siegel Vergabe; © Stadt Kassel

Janz sagt dazu: „Um die chancengleiche Entwicklung aller Kinder zu fördern, sind standardisierte Screenings wichtig, um wie in diesem Fall mit KiSS den Sprachstand des Kindes objektiv zu erfahren. So können gezielte Maßnahmen zur Abklärung und Förderung ergriffen werden. Ein gutes Sprachvermögen der Kinder ist eine der Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Schulzeit. Ich danke allen Erzieher/innen, die sich qualifiziert haben und auch auf diesem Weg zeigen, wie wichtig ihnen eine fachlich fundierte Arbeit zur Förderung der Kinder ist.“

Dr. Gabriele Oefner betont: „Die Sprache der Kinder muss frühzeitig, praktisch mit der Geburt angeregt werden. Säuglinge sollen die Sprachmelodie der Eltern hören, Eltern sollen mit ihren Säuglingen sprechen, wenn diese auch noch nicht alles verstehen können. Mit Kleinkindern sollen Eltern sich unterhalten über Alltagsdinge und besonders wichtig sind zuhören und erzählen. Sprache muss erlebt werden. Eine Erdbeere im Mund zu schmecken, den Geruch zu genießen, die Farbe zu sehen und die Erdbeere mit den Fingern zu fühlen, so prägen sich alle Sprachbegriffe gut in das Gedächtnis des Kindes ein. Wahr- und aufnehmen mit allen Sinnen!“

KiSS-Siegel; © Stadt Kassel

Dieses Erleben können die gern genutzten modernen Medien wie Fernsehen, PC-Spiele, Videos und CD nicht geben. Für das Sehen läuft eine zu schnelle Bildfolge ab. Und es bleibt bei dem einfachen Zuhören, es gibt kein Gespräch. Die anderen Sinne „erleben“ nichts. Deshalb sollen die modernen Medien nur wenig von kleinen Kindern genutzt werden und wenn, nur unter elterlicher Aufsicht. Anders beim gemeinsamen Anschauen eines Bilderbuches. Hier kann das Kind selbst die Geschwindigkeit der Bilderwechsel festlegen. Und es kann zurückblättern und nochmals schauen. Es kann über die Bilder erzählt werden. Fragen werden beantwortet. Und es wird erst weitergeblättert, wenn das Kind soweit ist.

Bei allen Sprachdefiziten sind Unterstützungen besonders auch in der Familie ganz wichtig, auch wenn in den Kindertagesstätten viele Aktivitäten zur Sprachförderung umgesetzt werden. In einigen Fällen ist zusätzlich eine Sprachbehandlung notwendig. Eine fördernde Lebenswelt bietet aber immer für das Kind die Chance, bis zur Einschulung eine altersentsprechende Sprache und Sprachverständnis aufzubauen.

Veröffentlicht am:   27. 01. 2016  


Service

Social Media